Kinderarbeit im Kobaltabbau

Wer den Preis für unsere Elektronik wirklich zahlt

Mittlerweile besitzt fast jeder von uns ein Smartphone. Natürlich soll es möglichst das neueste Modell sein. Zu teuer darf es aber nicht sein, denn allzu schnell ist es wieder veraltet oder kaputt und muss ausgetauscht werden. Was dabei kaum jemand bedenkt: Die Produktion erfordert Rohstoffe und die müssen irgendwo herkommen. Einer dieser Rohstoffe ist Kobalt. 

Das Mineral ist selten, aber sehr gefragt, denn es wird für für den Bau von Akkus, z.B. für Smartphones, Laptops oder Elektroautos gebraucht. Der Bedarf an Kobalt steigt seit Jahren stetig an und der Abbau ist ein hart umkämpftes Geschäft, ausgetragen auf dem Rücken der Schwächsten.
Ein Großteil des weltweit verbrauchten Kobalts wird unter grauenvollen Bedingungen gefördert. Dabei kommen auch Kinder zum Einsatz, die dabei ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren müssen.

Wo werden Kinder im Kobaltabbau ausgebeutet?
Fast die Hälfte der weltweit bekannten Kobaltvorkommen befinden sich im Kongo. Etwa zwei Drittel des heute verarbeiteten Kobalts stammen von dort. Und dort ist das Problem der Ausbeutung auch am größten. Nach jahrelangen Kriegen herrscht, trotz reicher Bodenschätze, bittere Armut. Korruption und Gewalt sind in der Demokratischen Republik Kongo alltäglich. Hunderttausende Kongolesen arbeiten in Kobaltminen, um ihr Überleben zu sichern. Offizielle Zahlen wie viele es wirklich sind – und wie viele davon Kinder – gibt es nicht. Besonders im Osten des Landes ist der Einsatz von Minderjährigen in Minen verbreitet. Es wird davon ausgegangen, dass etwa 40% der Minenarbeiter dort unter 18 Jahre alt sind. Schätzungen zufolge könnten es etwa 40.000 Kinder und Jugendliche sein, die im kongolesischen Bergbau arbeiten.

Die Situation der Kinder im Kobaltabbau
Die Arbeit in den kongolesischen Kobaltminen findet meist unter unmenschlichen Bedingungen statt. Hart genug für Erwachsene, unvorstellbar für Kinder. Doch viele Kinder, manche gerade einmal sieben Jahre alt, sind gezwungen im Kobaltabbau harte, gefährliche Arbeiten zu verrichten. Die Armut zwingt sie und ihre Familien dazu.
Gefördert wird oft im Kleinbergbau. Mit einfachen Werkzeugen, wie Schaufeln und Pickeln, manchmal auch mit bloßen Händen, werden tiefe Löcher in die Erde gegraben. Ohne richtige Ausrüstung klettern die Menschen hinunter, oft auch Kinder, denn sie sind kleiner und können sich in den engen Schächten besser fortbewegen. Tief unter der Erde ist es heiß, stickig, eng und düster. Die Arbeit ist hart und sehr gefährlich, besonders während der Regenzeiten. Die Gruben sind nicht gesichert und die Erde kann leicht einbrechen. Viele werden bei Einstürzen lebendig begraben oder verschüttet. Unterirdisch wird mineralhaltiges Gestein herausgeschlagen und in schweren Säcken an die Oberfläche geschleppt. An Flüssen wird es dann gewaschen, sortiert und gesiebt, mit bloßen Händen. Auch hier kommen oft Kinder und Jugendliche zum Einsatz.
Schwermetalle und andere Schadstoffe werden beim Bergbau freigesetzt, verseuchen Wasser und Böden in der Umgebung und vergiften die Arbeiter schleichend. Obwohl es keine offiziellen Zahlen gibt, kann davon ausgegangen werden, dass jedes Jahr hunderte von Kindern in den Minen umkommen oder durch die Arbeitsbedingungen schwer erkranken.
Der Verdienst für ihre Arbeit: umgerechnet gerade einmal 1-2 Dollar pro Tag. Da die Lebenshaltungskosten hoch sind, deckt das nicht einmal die Grundbedürfnisse. Zwar gibt es eine Schulpflicht im Kongo, viele Familien können sich den Schulbesuch aber gar nicht leisten. Und ohne Bildung gibt es keine Perspektive für ein besseres Leben.

Wer profitiert davon?
Die Arbeiter in den Minen leben am Existenzminimum. Den Profit mit dem Kobalt machen andere. Was im Bergbau gefördert wird, gelangt auf unübersichtlichen Wegen zu den Endabnehmern. Minenmanager und Investoren, Zwischenhändler und Weiterverarbeiter, alle wollen profitieren. Dazu kommen staatliche Beamte und Kontrolleure, die Bestechungsgelder kassieren. Und schließlich sind es so namhafte Firmen, wie Samsung, Apple, VW oder Daimler, die in der Kritik stehen, über diese undurchsichtigen Lieferketten günstig ihre Rohstoffe zu beziehen, ohne Verantwortung für deren Herkunft zu übernehmen.
Letztendlich müssen auch wir uns eingestehen, dass wir davon profitieren. Denn würde der Kobaltbergbau unter menschenfreundlichen Bedingungen stattfinden, mit professioneller Ausrüstung, angemessenen Löhnen und kontrollierten Arbeitsbedingungen, dann würde sich das wohl auch auf die Preise von Smartphone und Co. niederschlagen.

Was kann man tun?
Obwohl die Kinderarbeit im Bergbau nach internationalem Recht verboten ist und auch die kongolesische Regierung entsprechende Vorschriften erlassen hat, ändert sich die Situation nicht. Echte Maßnahmen, Kontrollen oder Inspektionen gibt es nicht. Und auch die Unternehmen, die das Kobalt und andere Mineralien abnehmen, zeigen bislang wenig ernsthaftes Interesse daran, die Situation zu verändern.
Natürlich gibt es Hilfsorganisationen, die versuchen, die Lage der Kinder zu verbessern. Und natürlich ist es gut und richtig dies zu unterstützen. Eine wirkliche Lösung des Problems ist das aber nicht. Wichtiger ist es, unser eigenes Konsumverhalten zu überdenken und die Herkunft von Produkten zu hinterfragen. Es muss uns bewusst sein, dass den Preis für unsere billige Elektronik im Zweifel vielleicht ein Kind im Kongo zahlen muss. Nur wenn wir aufhören, durch unser gedankenloses Kauf- und Wegwerfverhalten die Ausbeutung von Menschen zu einem lukrativen Geschäft zu machen, kann sich wirklich etwas ändern. Dazu gehört nicht nur,  auf das neueste Smartphonemodell zu verzichten – solange das alte noch funktioniert – und kaputte Geräte zu reparieren oder zu recyceln, sondern auch Druck auf Unternehmen und Politik auszuüben, denn die Nachfrage nach Kobalt wird mit dem Ausbau der Elektromobilität weiter drastisch ansteigen. Unternehmen müssten stärker in die Pflicht genommen werden, ihre Lieferketten zu überprüfen und transparent zu machen. Nachhaltigkeitslabels, wie es sie z.B. im Lebensmittelbereich für fair produzierte und gehandelte Produkte bereits gibt, könnten dazu beitragen, sind im Elektronikbereich bislang aber selten.

***** (Vsd)

 

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